Familienurlaub in Litomeriče 1988

Magdeburg - Dresden - Decin - Litomeriče - Prag

Im Herzen Böhmens an der Moldau liegt die alte Königsstadt Prag, eine glänzende Metropole, nicht umsonst wird sie die goldene Stadt genannt. Wir hatten unser Zelt auf einem Campingplatz in der Nähe des Flughafens aufgeschlagen. Unsere Kehlen waren ausgetrocknet wie ein australischer Creek während der Hitzeperiode. Folgerichtig führten uns unsere Schritte zunächst in eine der zahlreichen Altstadt-kneipen.

"Den dobry, dwa pivo, dwa gulasch s knedliki, procim", bestellten wir ganz weltmännisch in fast bestem tschechisch.

Das Prager Bier, das in seinen Felsenkellern so außerordentlich gut und kühl gelagert wird, besitzt einen eigentümlich wohltuenden Geschmack, so substanzreiche Teile, daß es einmal ein Kenner mit Recht ein flüssiges Brot nannte. Als solches haben wir es dort auch vielfältig genossen. Für mich ist und bleibt das tschechische Bier immer noch der unangefochtene Weltmeister unter allen Bieren. Wo ein starkes und schweres Bier das Lieblingsgetränk einer ganzen Nation ist, muß es sich selbstredend auf das Temperament eines solchen auswirken. Der Prager genießt seinen Gerstensaft selten ohne Musik; aus jedem Bierhaus schallt dir zu jeder Tageszeit unüberhörbarer, überregionaler, vielzungiger Frohsinn und irgendein Instrument, meist Polka spielend, entgegen, und so wiegt sich die sanfte Biermelancholie schnell in eine weiche Symphonie hinüber, die am Ende sogar in die Füße tritt zu einem rasch sich drehenden Tanze.



aus: Reisschleim