78 transural
99 K99
01 tian shan
03 ETS

 

Studentensommer 1978

Magdeburg - Berlin - Kiew - Charkow - Kustanay - Sowchos Iljitsch - Moskau - St. Petersburg - Berlin - Magdeburg

Am frühen Morgen erreichten wir Orenburg im südwestlichen Uralvorland. Hier also beginnt die bekannte Erdölpipeline "Druschba". Die Taigatrommeln donnerten weiter mit uns durch die Südausläufer des Gebirges. Irgendwann stand ein riesiges Schild an der Bahnlinie: Asia. Endgültig hatten wir die alte Welt verlassen, von nun an bewegten wir uns auf morgenländischem Areal. Asien, das ist Sibirien, das sind Steppen, das sind Wüsten, das sind Gletscher, das sind tropische Regenwälder, das sind unbegreifliche Dimensionen.

Der Zug verlangsamte sein Tempo mitten auf der Strecke überraschend. Keine Stadt, kein Dorf weit und breit. Mit einem Mal bewegte sich die Wagenkolonne mitten in einen Basar. Fliegende Händler, meist Bauern aus der Umgebung, boten frisches Obst, leckeres Brot, kuhwarme Milch. Herzhafte Teigtaschen mit Fleischfüllung und süße mit Quark oder Honig wurde feil geboten. Selbstredend gab es auch Kwas, ein trübes, durststillendes Getränk und den obligatorischen Wodka. Es war eine willkommene Abwechslung, frische Nahrung zu tanken und die Füße zu vertreten, denn wir konnten kaum noch sitzen.

Die Landschaft hatte sich gewandelt. Die Steppe wurde unser Begleiterin, nicht nur für die nächsten Stunden, auch für die nächsten Wochen; breitgedrücktes Land, so weit das Auge blicken kann, im Winde sich biegende Gräser, ab und an ein paar Pferde, ein stiller See, ein kleiner Fluß. Viel Zerstreuung gab es nicht. Noch eine Nacht mußten wir in unserem rollenden Schlafzimmer überstehen, ehe wir endlich in den Zielbahnhof von Kustanay einfuhren. Hier trennten sich die Wege. Die polnische Gruppe fuhr in eine Richtung, die ungarische in eine andere und wir mit unserem russischen Betreuer, Wolodja, in eine dritte. Wir waren geschafft, insgesamt fünf Tage Bahnfahrt über etwa viertausend Kilometer hatten wir hinter uns.

aus: Kascha