Winterwunderland 2004 © alter Cherusker
   
 

Unsere Brüderwanderung begannen wir in diesem Jahr im schönen Städtchen Bad Harzburg. Gleich vom Parkplatz aus stapften wir wie zwei Bergleute, mit Stirnlampen ausgerüstet, durch das Dunkel des Waldes, denn der Tag hatte der Nacht die Türklinke in die Hand gegeben. Nur unser Atem und das Knirschen unserer Schuhe durchbrachen die Stille des friedlichen Waldes. Bereits nach einer Stunde tat sich ein Märchenpalast vor uns auf, ein Knusperhäuschen mitten im verschneiten Wald - das Molkehaus. Neugierig wie Hänsel und Gretel ließen wir uns in diesem Hexenhäuschen zu einem Bier verführen. Rehe und Wildschweine kamen aus dem Wald zur Fütterung, ganz nah, wie Mannequins auf dem Laufsteg.
Weiter ging unser Weg durch den schneelichten Wald, bis wir an die Eckertalsperre gelangten. Diese Talsperre hat eine besondere Geschichte. Gebaut wurde sie von fleißigen Menschen schon vor vielen Jahren. Als jedoch der letzte große Krieg vorbei war und die Könige, das deutsche Land teilten, konnten sie sich nicht darüber einigen, wem die Talsperre und der See gehören sollten. Und so teilten sie auch diese und stellten den Grenzstein mitten auf die Staumauer. Du siehst, zu welchen irrwitzigen Taten die Menschen fähig sind. Vor uns lag nun der eisüberzogene See, knirschte und knackte, als wollte er uns aus seinem Revier vertreiben.

   
Der Harz

    Der Harz ist einer der faszinierendsten Landschaften Mitteleuropas. Diese kleine Mittel- gebirge im Nordosten Deutschlands umfaßt unter- schiedliche Waldtypen, Moore, Fels- und Blockhalden und Flüßchen. Es gipfelt in der subalpinen Vegetation der 1142 m hohen, baumfreien Brockenkuppe (1600 mm Jahresdurchschnittsniederschlag im Jahr, 260 Nebeltage, Jahresdurchschnittstemperatur 2,6 oC).

Aus der Höhenlage resultieren eine Reihe von meteorologischen Besonderheiten, die man bei einem Besuch beachten sollte, denn selbst im Hochsommer kann es dort empfindlich kühl werden. Hohe Jahresniederschläge über 1000 mm und niedrige Jahresmitteltemperatruren ließen prachtvolle Wälder entstehen, die in Teilbereichen kaum von Menschen beeinflußt worden sind. Diese Urwaldreste bilden heute den Kern des Nationalparks Hochharz. Dominierende Baumart ist die Fichte, deren ehrwürdige Exemplare über 300 Jahre alt sind.

 
Fotoimpressionen
 
erste Nacht am Eckerstausee
 
Molkehaus

Nun erreichten wir bald unsere Schutzhütte, und mein Bruder frotzelte, was wohl wäre, wenn schon jemand darin wohnte. Das konnte doch nicht sein, oder? Zwei Hamburger brutzelten gerade ein paar Würste, als wir die Hütte erreichten. Sogleich waren wir herzlichst eingeladen. Wir tauschten unsere Erfahrungen aus aller Welt uns fast bis Mitternacht, tranken etwas Wein und geistige Getränke, bevor wir unsere Matten auslegten und uns in die Schlafsäcke verkrochen.

Huette am Eckerstausee
Begegnung am Eckerstausee

Die Nacht war sternenklar und ausgespro- chen kalt und nicht nur das; einer unserer Hamburger Nachbarn trompetete die ganze Nacht durch die Nase wie ein Nebelhorn. Die feuchte Kälte bahnte sich ihren Weg durch die Isomatte, den Schlafsack bis zur Haut. Die Nasenspitze schaute ohnehin in den Wind. Schneegeister schlichen mit eisigem Atem und wallenden Bärten um die Hütte. Der rettende Morgen schickte schon bald ein paar wärmende Strahlen, lauwarmer Tee und kaltes Brot zum Frühstück und bald marschierten die Wanderer dem Brocken- vater entgegen.


am Morgen danach bei -7 Grad
Das Molkehaus bei Bad Harzburg

Molkehaus
Cherusker's Rast

Urwald im Hochharz

Die Bergwälder am Brocken sind wegen ihrer schwierigen Zugänglichkeit und des geringen Ertrages der Säge und Axt des Forstmannes entgangen. Jahrtausender alter Urwald umarmte mich. Wie ein Mosaik setzte sich der Wald aus verschiedenen Altersphasen zusammen, junge Baumkinder gesellten sich zu uralte Baumriesen, absterbende und umgestürzte Bäume, zeigten den beiden, daß auch der Wald ein lebendes Wesen ist, daß es Tod und Geburt und Krankheit gibt.

Schneegeist

Hier wucherte es noch wie vor vielen Tausend Jahren. Hier gab es noch Insekten, Pilze, Vögel, Pflanzen, die woanders längst ausgestorben waren. Es hatte etwas von diesen finsteren Märchenwäldern, wie sie in den alten Märchen vorkommen. Schade nur, daß sich die Schwarzröcke und die Rotröcke und die Bambis im wilden Dickicht versteckt hielten.

  Seite 2 Seite 3 mehr vom alten Cherusker