allgemeines
bevoelkerung
geschichte
kunst
literatur
malerei
musik
natur
oeconomie
wetter
Reiseführer
- Internetversion
- die CD-Rom
- Druckversion
fotos

Die Musikkultur Kyrgyzstans wurzelt in der weit zurückliegenden Vergangenheit. Um ihre Eigenarten zu verstehen, muß man sich einige historische und geographische Besonderheiten ins Bewußtsein rufen. Die direkten Nachbarn der Kirgisen sind die Kasachen, die Usbeken, Tadshiken und die Chinesen. In der blutigen Vergangenheit wurde sowohl die materielle als auch die geistige Kultur dieser Völker vernichtet. In Teilen trifft dies auch auf die kirgisische zu, aber das hochgebirgige, schwer zugängliche Kyrgyzstan war von den in der Steppe angesiedelten Völkern abgeschottet. So konnten sich die Kirgisen ihre nationale Kultur bewahren.

Die kirgisische Volksmusik ist durch einfache Ausdrucksmittel, einen demokratischen Charakter sowie emotionale Zurückhaltung, die sich insbesondere bei der Vermittlung optimistischer Stimmungen oder von Leiden bemerkbar macht, gekennzeichnet. Eine weitere Besonderheit besteht darin, daß sich im Unterschied zu den Nachbarkulturen, eine deutliche Tonartbasis besitzt. Dies bringt sie den sonst weit entfernten musikalischen Systemen der europäischen Völker näher.

Die einmalige Schönheit der Natur und das ruhig dahin fließende Leben der kirgisischen Gesellschaft bewirkten, daß die Lieder der Kirgisen vornehmlich einen betrachtenden Charakter haben. Die kirgisische Folklore ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Jeder Kirgise kennt und singt eine Vielzahl verschiedener Lieder, viele Menschen beherrschen ein oder gar mehrere Instrumente. Beinahe jeder kann ein Lied komponieren, indem er einfach Reime mit einer typischen Volksmelodie (Obon) verbindet. In Kyrgyzstan gibt es unter den Jugendlichen das Spiel "Sarymerden", bei dem jeder Mitspieler aus dem Stehgreif ein Couplet oder Scherzlied reimen und singen muß.

Professionelle Musiker, die Akyne oder Yrtschi, lernen ihre Kunst wie die Manastschi von Lehrmeistern, entwickeln sie individuell weiter und vermitteln sie dann ihren Schülern.

Das beliebteste Instrument ist ohne Frage das Komus, dessen Klänge die Fans mitunter mit der menschlichen Stimme vergleichen. Wenn der Musiker alle drei Saiten anschlägt, dann bekommt der Klang des Komus einen orchestralen Charakter. Auf dem Komus werden verschiedene Musikstücke, die "Küus", gespielt: dies reicht von der Nachahmung einfachen Vogelgezwitschers bis hin zu komplizierten Kompositionen. Jedes Musikstück verfügt über eigene Bilder und spezielle Interpretationsgriffe. Ein erfahrener Spieler manipuliert das Komus ohne das blitzartige Umgreifen der Saiten auch nur einen Augenblick lang zu unterbrechen. Mitunter scheint es, daß das Komus gleichsam zum intimen Gesprächspartner des Menschen wird, da es nicht nur vom Komutscho, dem professionellen Spielern, sondern von ausgesprochen vielen Menschen gespielt wird.