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Was sagt das kirgisische Volk selbst über seine Geschichte und seinen Ursprung? Das 1000 Jahre alte Heldenepos Manas, das mündlich von Generation zur nächsten überliefert wird, stellt gleichsam eine Enzyklopädie des frühen kirgisischen Lebens dar. Der Schriftsteller Tschingis Aitmatow berichtet in seiner Manas-Einleitung über die zeitlich lange kirgisische Geschichte folgendes:

Von jenen Tagen bis zu diesem verflossen die Tage wie Sand, die Nächte vergingen in unumkehrbarer Folge, die Jahre gingen in Jahrhunderte. Auf dieser Welt verweilten seitdem so viele Seelen, wie es Steine auf der Erde gibt, vielleicht sogar noch mehr. Es gab gute und böse Menschen, bergähnliche Recken, allwissende Weise, geschickte Meister, unzählige Völker, die längst verschwunden sind und von denen nur die Namen geblieben sind...

Was gestern war, ist heute nicht mehr. In dieser Welt wandern ewig nur die Sterne auf ihren Wegen beim ewigen Mond, nur die Sonne steigt im Osten auf, nur die Erde mit schwarzer Brust bleibt auf ihrem ewigen Platz...

Inzwischen bröckelten die Felsen zu Staub, und die Winde zerstreuten den Staub in spurlose Ferne. Städte wurden erbaut, auf den alten Mauern neue Maueren errichtet... Von jenen tagen bis zu diesen gebar das Wort ein Wort, der Gedanke gebar den Gedanken, die Sache gebar die Sache, das Lied verschmolz mit dem Lied, die Wahrheit wurde zur alten Sage... In dieser Sage belebten wir das Wort der Väter und Großväter...Und das vergangene Leben entsteht wieder vor dem Blick des Lebenden.

300.000 Jahre alte und in das frühe Paläolithikum datierte Steinwerkzeuge sind die ersten Spuren menschlicher Tätigkeit auf dem Territorium des kirgisischen Tian Shan. Die ältesten Steinwerkzeuge wurden am Fluß On-Artscha, am Issyk-Kul sowie im Ferghanatal entdeckt.

Die Felsgalerie Saimaly-Tasch, 3000 Meter über dem Meer, umfaßt mehrere hunderttausend Zeichnungen, auf denen Jagd, Bodenbestellung, rituelle Tänze und Opferungen festgehalten sind.

Das Ethnonym "Kyrgys" und der kirgisische Staat als "Besitz Kyrgys" wurden in chinesischen Quellen erstmals für das Jahr 201 vor unserer Zeitrechnung erwähnt, als die Kirgisen von Ogus-Khan, dem Gründer des Nomadenimperiums der Hunnen geschlagen wurden.

Etwa im 5. Jahrhundert nahmen die Kirgisen unter unklaren historischen Umständen den Talkessel Minusinskaja am Mittellauf des Jenissejs ein. Die Kirgisen gründeten dort einen frühfeudalen Staat, der weit über die Grenzen Südsibiriens bekannt war.

840 schlug die Sternstunde in der Entwicklung der kirgisischen Staatlichkeit am Jenissej. Die Kirgisen setzten eine 100.000 Mann starke Armee gegen Ordu-Balyk, die Hauptstadt der Rivalen der Uiguren im Raum Orchon (Mongolei) in Bewegung. Im Ergebnis erstreckte sich das kirgisische Khanat vom Baikalsee bis zum Tian Shan, vom heutigen Krasnojarsk bis zur großen chinesischen Mauer. Dieses Imperium zerfiel bereits im Ende des zehnten Jahrhunderts.

Im dreizehnten Jahrhundert zerfiel der Kirgisenstaat am Jenissej in einzelne Fürstentümer, die später von den Horden Tschingis Khans aufgerieben wurden. Ein Teil der Kirgisen verschmolz mit den Volk der Kimak-Kyptschaken aus dem Altei. Die Kirgisen aus dem Altei besetzten im fünfzehnten Jahrhundert den Tian Shan und assimilierten dort die örtlichen turksprachigen Völker. Sie bildeten den Kern der kirgisischen Völkerschaft, die sich dort im Mittelalter ausbildete.

Die Verschmelzung von Traditionen, Lebensweise, Sprache und Kunst der Jenissej-Kirgisen mit der Lebensführung anderer Völker führte zur Herausbildung eines lebensfrohen, gastfreundlichen Volkes. Sprache, Geschichte und Kultur des kirgisischen Volkes wurde im Epos Manas bewahrt und überliefert. Dieses epische Poem, die längste Versdichtung der Welt, ist erheblich umfangreicher als die Illias und die Odyssee zusammen und beschreibt das ereignisreiche Leben des kirgisischen Volkes.

Im 17. und 18. Jahrhundert kämpften die Kirgisen unaufhörlich um ihre Existenz, erst gegen die Dschungaren, später gegen das Khanat Kokand. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die kirgisischen Stämme langsam ins russische Reich eingegliedert.

Nach der Revolution in Rußland wurde das Territorium der heutigen Republik Kyrgyzstan Teil der autonomen Republik Turkestan. 1924 wurde Turkestan in die mittelasiatischen Republiken aufgegliedert, wobei das Kara-Kirgisische Autonome Gebiet gebildet wurde, das im Bestand der Russischen Föderation verblieb, 1926 wurde es in die Kirgisische Autonome Republik umgewandelt und 1936 zur Sozialistischen Sowjetrepublik Kirgisien.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde die Republik Kyrgyzstan zur legitimen Nachfolgerin des sowjetischen Kirgisiens. Sie wurde international anerkannt und die neue Führung des Landes bildeten der Präsident, Ministerpräsident und Schogurku Kenesch (Parlament).